Bergbaubetrieb Lichtenberg – Reust

Der ehemalige Bergbaubetrieb Lichtenberg / Reust

 

1. Lage und Entstehung

Die Grubenfelder der zunächst eigenständigen Bergwerke Lichtenberg und Reust lagen etwa zwei Kilometer südlich der Stadt Ronneburg.

Das Bergwerk Lichtenberg wurde bereits im Jahr 1950 geologisch erkundet und ab 1951 bergmännisch aufgeschlossen. Für die ersten Arbeiten wurden Grundstücke und Gebäude des kleinen Ortes Lichtenberg genutzt. Die Betriebsleitung befand sich zunächst im örtlichen Gasthof.

Mit dem Ausbau der Tagesanlagen und der erforderlichen Sicherheitsmaßnahmen wurde die Räumung des Ortes notwendig. Insgesamt waren 254 Einwohner von dieser Maßnahme betroffen. Nach der Verlegung der Betriebsleitung zum Schacht 375 im Jahr 1956 wurden nahezu alle Gebäude des Ortes abgerissen.

1957 begann der Aufschluss des späteren Bergwerkes Reust. Im Jahr 1962 wurden die Bergwerke Lichtenberg und Reust zu einer gemeinsamen Betriebseinheit zusammengelegt.

Die Gesamtfläche des Grubenfeldes betrug rund 17,5 Quadratkilometer.

2. Wichtige Betriebsdaten

Jahr / Datum Ereignis
1950 Geologische Erkundung im Revier Lichtenberg durch das Objekt 30
Oktober 1951 Bildung des Betriebes Schacht Lichtenberg
1957 Beginn der Ausrichtungsarbeiten für das Bergwerk Reust
1958 Bildung des Kombinates 5 / Schachtverwaltung Reust
1962 Zusammenlegung der Bergwerke Reust und Lichtenberg
1964 Verleihung des Namens „Deutsch-Sowjetische Freundschaft“ (DSF)
1966 Inbetriebnahme des Versatzwerkes Reust
1968 Bau der Pilotanlage zur Laugung im Tagebaubetrieb Lichtenberg
1969 Bildung des selbständigen Bergbaubetriebes DSF Reust
1969 / 1970 Bau der Haufenlaugungsanlage Lichtenberg
01.01.1970 Übernahme der Brandschutzzeche mit Verschlämmung und Übertage-Bohrrevier
bis 1972 Bau der Laugungsanlage Gessen
1977 Übernahme des Bereiches Tagebau und Laugung, Leitbetrieb für Wiederurbarmachung
1988 Angliederung des Bergbaubetriebes DSF Reust an den Bergbaubetrieb Schmirchau

3. Tagesschächte des Bergbaubetriebes

 

Schacht-Nr. Teufe in m Teufbeginn Betriebsbeginn Verwendung Besonderheiten
352

197,8 1951 01/53 Förder-, Seilfahrt- und Wetterschacht Später Abwetterschacht, 1963 teilweise verfüllt
374

370,8 05/56 01/57 Förder-, Seilfahrt- und Frischwetterschacht Doppelschachtanlage
374 bis

366,4 05/58 01/60 Förder-, Seilfahrt- und Frischwetterschacht Doppelschachtanlage
375

291,5 05/56 09/59 Förder-, Seilfahrt- und Frischwetterschacht keine Besonderheiten
378

370,6 12/64 keine Angabe Material- und Wetterschacht Ab 1988 verfüllt
379 305,7 08/66 09/68 Wetterschacht keine Besonderheiten
380

270,0 02/60 11/62 Wetterschacht keine Besonderheiten
385

113,6 08/63 keine Angabe Seilfahrt-, Güter-, Material- und Frischwetterschacht Zechsteinlagerstätte Gauern
420

254,2 08/87 07/89 Abwetterschacht keine Besonderheiten
422

254,2 07/88 10/89 Abwetterschacht keine Besonderheiten
439-7/2

143,6 07/85 keine Angabe Abwetterschacht Feldesteil Rückersdorf
Wetterüberhaun Gauern

keine Angabe keine Angabe keine Angabe keine Angabe Lage neben Schacht 385, zurzeit noch keine Angaben vorhanden
Tiefschurf 85

keine Angabe keine Angabe keine Angabe Erkundung Zurzeit noch keine Angaben vorhanden

 

4. Haldenwirtschaft

Die zwei Kegelhalden des Bergwerkes Reust wurden aus fördertechnischen Gründen direkt an den Schächten 374 und 374 bis angelegt.

1956 bis 1960 entstand zunächst eine Tafelhalde. Ab 1961 wurden parallel zur Tafelhalde die beiden Kegelhalden angelegt.

Die Halde 1 (Südhalde) ist ca. 92 m und die Halde 2 (Nordhalde) ca. 105 m hoch angelegt worden.

Beide Halden werden im Rahmen der Sanierungsarbeiten und in Vorbereitung der BUGA 2007 in das Tagebaurestloch Lichtenberg verbracht.

Doppelhalden BB Reust aus unterschiedlichen Himmelsrichtungen

5. Besonderheiten der Betriebsentwicklung

Ereignis Beschreibung
Laugung Mit Übernahme des Tagebaues Lichtenberg fortgesetzt.
Sandtagebau Aufschluss und Betrieb eines Sandtagebaues bei Kayna zur Gewinnung von Versatz- und Bausand für die Bergbaubetriebe.
Endogene Brände Von 1957 bis 1961 kam es im Schacht Lichtenberg zu insgesamt 25 Grubenbränden durch endogene Brandentwicklung, die einen katastrophalen Einfluss auf die Entwicklung des Bergwerkes hatten. Im Sommer 1960 musste im Bergwerk Lichtenberg wegen endogener Brände die Produktion über mehrere Tage während der aktiven Brandbekämpfung eingestellt und die Grube von der Belegschaft geräumt werden. Diese Ereignisse führten per 01.01.1962 zur Auflösung des Bergwerkes Lichtenberg und zur Angliederung an den Schacht Reust.
Besonderheit des Schachtes 385 Dieser Schacht wurde außerhalb des eigentlichen Betriebsgeländes bei der Ortschaft Gauern abgeteuft, um an die tiefer liegenden Erzvorkommen der Zechsteinlagerstätte der Tagebaue Sorge / Culmitzsch / Gauern zu gelangen. Ihr Abbau war infolge schwierigster bergmännischer Verhältnisse und niedrigem Metallgehalt im Erz unökonomisch und kam über Experimentalarbeiten nicht hinaus.
Lage des Schachtes 385

6. Fotoauswahl vom Abriss des Bergbaubetriebes Reust

 

Abriss der Betriebsanlagen an Schächten 374/374 b
Abriss der Betriebsanlagen an Schächten 374/374 b
Abriss Betriebsanlagen, im Hintergrund Spitzkegelhalden Reust
Abriss Betriebsanlagen, im Hintergrund Spitzkegelhalden Reust

 

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