Uranfördermengen aus dem ehemaligen Ostblock
Übersicht Sowjetunion
Mitte der 40er Jahre gelang es den USA, funktionsfähige Kernwaffen herzustellen
und damit das Monopol des Besitzes der Atombombe zu schaffen.
Im August 1945 erfolgte der erste Atombombenabwurf durch die USA
auf die japanischen Städte Hiroshima und Nagasaki.
Die Sowjetunion aktivierte 1945 ihrerseits das im Jahre 1943 begonnene
Atombombenforschungsprogramm und nahm im Jahre 1945 die industriemäßige
Urangewinnung mit der Bildung des Kombinates Nr. 6 in Leninabad (Tadshikistan) auf,
ohne zu diesem Zeitpunkt über ausreichende eigene Uranvorkommen zu verfügen,
wie nachfolgende Aufstellung zeigt:
| Jahr | Tonnen |
|---|---|
| 1945 | 14,6 |
| 1946 | 50,0 |
| 1947 | 129,3 |
| 1948 | 182,5 |
| 1949 | 278,6 |
| 1950 | 416,9 |
| Gesamt 1945 bis 1950 | 1.071,9 |
Quelle: Wismut-Chronik
Die Sowjetunion fand den Ausweg für den bis zu diesem Zeitpunkt vorhandenen
eigenen Mangel an Natururan im Gebiet der sowjetischen Besatzungszone
und dem böhmischen Jachymov.
Zu Beginn des Jahres 1946 übernahm in Kenntnis der bisherigen Bergbautätigkeit
eine Einheit der Roten Armee die Bergwerke in Johanngeorgenstadt und Schneeberg
und begann sofort mit der Erkundung und dem Aufschluss der hier vorhandenen
Uranerzlagerstätten.
Die Stadt Aue mit den umliegenden Bergbauzentren Johanngeorgenstadt,
Schneeberg und Schlema wurden zum ersten Zentrum des Uranerzbergbaues.
In 20 Erkundungsgebieten wurde die Sowjetische Besatzungszone / DDR
von der Norddeutschen Senke, Görlitzer Schiefergebirge bis zum Thüringer Wald
auf Uran untersucht.
Neben den Vorkommen im Erzgebirge wurde die bedeutendste Uranlagerstätte
auch um die Stadt Ronneburg gefunden.
Hier begannen die geologischen und bergmännischen Tätigkeiten im September 1950
durch das Objekt 30 der SAG WISMUT.
Übersicht Ostblock
Ihren Uranbedarf deckte die Sowjetunion auch durch die Ausbeutung weiterer
Uranlagerstätten in anderen ehemals sozialistischen Ländern.
Uranlieferungen anderer ehemals sozialistischer Länder für die Atomindustrie der UdSSR (1945–1950) in Tonnen
| Jahr | CSR | Bulgarien | Polen |
|---|---|---|---|
| 1945 | 0 | 0 | 0 |
| 1946 | 18,0 | 26,6 | 0 |
| 1947 | 49,1 | 7,6 | 2,3 |
| 1948 | 103,2 | 18,2 | 9,3 |
| 1949 | 147,3 | 30,3 | 43,3 |
| 1950 | 281,4 | 70,9 | 63,6 |
| 1945–1950 | 599,0 | 153,6 | 118,5 |
Quelle: Wismut-Chronik
Fördermengen Ronneburg
Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten bergmännischen Kennzahlen der Bergbaubetriebe im Raum Ronneburg. Dargestellt werden Abbauvolumen, Vortrieb und anfallende Bergemassen der einzelnen Betriebe.
| Bergbaubetrieb | Abbau (Mio. m³) | Vortrieb (km) | Bergemasse (Mio. m³) |
|---|---|---|---|
| Tagebau Ronneburg | k. A. | – | 0,3 |
| Schacht Lichtenberg / BB Reust | 10,0 | 619 | 14,7 |
| Bergbaubetrieb Schmirchau | 24,0 | 1.340 | 31,8 |
| Bergbaubetrieb Paitzdorf | 4,4 | 289 | 7,5 |
| Bergbaubetrieb Beerwalde | 7,0 | 370 | 10,2 |
| Bergbaubetrieb Drosen | 2,5 | 183 | 4,0 |
| Gesamt | 47,9 | 2.801 | 68,5 |
Quelle: Bergbauverein Ronneburg – Übersicht Fördermengen Ronneburg
Übersicht Abbaugebiete
Uranfördergebiete
Gesamtübersicht der Uran-Fördergebiete der SAG / SDAG Wismut in der Sowjetischen Besatzungszone bzw. der späteren DDR.
1. Lagerstätten im Grundgebirgsstockwerk
1.1 Lagerstätten vom Typ „Ronneburg“
Tiefbau
a) Ronneburger Erzfeld- Bergwerk Schmirchau
- Bergwerk Reust
- Bergwerk Paitzdorf
- Bergwerk Beerwalde
- Bergwerk Drosen
- Dittrichshütte
Tagebau
- Tagebau Lichtenberg
- Tagebau Stolzenburg
Hydrothermale Ganglagerstätten
a) Westerzgebirge- Niederschlema-Alberoda
- Tellerhäuser
- Oberschlema
- Johanngeorgenstadt
- Antonsthal „Weißer Hirsch“
- Seiffenbach
- Schneeberg
- Annaberg
- Bärenstein
- Marienberg
- Zobes
- Schneckenstein
2. Lagerstätten des Übergangs- und Tafelstockwerks
a) Kreidesandstein- Königstein
- Tagebau Culmitzsch
- Tagebau Sorge
- Tagebau Gauern
- Heidenschanze
- Bannewitz-Gittersee
- Schleusingen
Quelle: Lange u.a., Fachzeitschrift „Erzmetall“, 1991
Die Lagerstätte Ronneburg
Einleitung
Die geologischen und bergmännischen Arbeiten der Wismut im Raum Ronneburg – in der späteren Lagerstätte Ronneburg – begannen im September 1950 durch das Objekt 30 der SAG Wismut.
Die Sucharbeiten begannen bereits 1949, wobei sich die Emanationsmessung (= Messung des Radonaustritts in die Bodenluft) als am effektivsten erwies. Die Erkundungsergebnisse im Bereich der Orte Lichtenberg und Schmirchau sowie am südlichen und östlichen Stadtrand von Ronneburg waren bereits unmittelbar nach ihrem Beginn so positiv, dass zur Ausbeutung der angetroffenen Uranvorräte bereits am 01.10.1950 das Bergbauobjekt 90 der SAG Wismut mit Sitz in Gera gebildet wurde.
Damit begann die Inbesitznahmeeines zuletzt 1.327 ha umfassenden Areals bergbaulich genutzter Grundstücke durch die Wismut.
In diesem Bereich war außer Gewinnung von Sand und Kies in mehreren Gruben kein ergbau umgegangen.
Karte des Bergbaugebietes um Ronneburg
Bergbaubetriebe nördlich der BAB 4
| hellbraune Flächen: | Halden der einzelnen Bergbaubetriebe (BB) |
| gelbe Fläche rechts: | Betriebsfläche des BB Drosen |
| gelbe Fläche Mitte: | Betriebsfläche des BB Beerwalde |
| gelbe Fläche links: | Betriebsfläche des Betriebsteiles Korbußen des BB Drosen |
Bergbaubetriebe südlich der BAB 4
| Hellbraune Flächen = Haldenflächen: | |
| links oben: | ehemalige Gessenhalde |
| links mitte: | ehemalige Nordhalde |
| links unten: | Absetzerhalde |
| Mitte: | Spitzkegelhalden BB Reust |
| Rechts: | Spitzkegelhalden BB Paitzdorf |
| Gelbe Flächen = Betriebsflächen: | |
| Mitte oben: | BB Schmirchau |
| Mitte unten: | BB Lichtenberg/Reust |
| rechts oben: | BB Paitzdorf |
| Lila Fläche: | |
| Mitte oben: | Tagebau Lichtenberg |
Übersicht der Bergwerke und Tagebaue
| Tagebau Ronneburg | ab 1950 Tiefschürfe, ab 1951 Tagebau bis 1953 |
| Schacht Lichtenberg | 1950 Erkundung, 1951 Schachtverwaltung, ab 1962 Bergbaubetrieb Reust |
| Bergbaubetrieb Reust | 1957 BMB (Bau- u. Montagebetrieb), 1958 Schachtverwaltung, ab 1988 Bergbaubetrieb Schmirchau |
| Bergbaubetrieb Schmirchau | 1950 Erkundung, 1951 Schachtverwaltung, ab 1990 Sanierungsbetrieb Ronneburg |
| Tagebau Lichtenberg | Aufschluss 1958, bis 12/67 Bergbaubetrieb Lichtenberg, danach Bergbaubetrieb Reust, Einstellung der Produktion 1977 |
| Bergbaubetrieb Paitzdorf | 1. Teufe 4/54, 1956 Erkundungsrevier, 1961 Schachtverwaltung, 1990 Sanierungsbetrieb Ronneburg |
| Tagebau Stolzenberg | Aufschluss 9/54, tätig bis Ende 1957 |
| Bergbaubetrieb Beerwalde | Teufe 8/67, selbständig 1/74, ab 01/91 Bergbaubetrieb Drosen |
| Bergbaubetrieb Drosen | Teufe 12/74, Selbst. 07/80, 1990 Sanierungsbetrieb Ronneburg |
Charakteristik der Lagerstätte Ronneburg
Für die Uranlagerstätte Ronneburg/Thüringen wurden nach Erkundungsergebnissen Ressourcen von 200.000 t Uran berechnet.
Mit einem Förderumfang von 113.605,8 t Uran bis 1990 trat diese Lagerstätte mit ihren 5 Hauptbergwerken an die führende Stelle der von der SDAG Wismut bearbeiteten Lagerstättenkomplexe im Süden der DDR (Gesamtförderung der Wismut: insgesamt 231.000 t). Regional befindet sich die Uranlagerstätte im Ostthüringer Schiefergebirge im Nordosten des erzgebirgisch streichenden Bergaer Sattels. Er wird hier intensiv durchkreuzt von der Gera-Jachymov-Störungszone (Crimmitschauer Störungszone als Teilabschnitt davon) und einer N-S-Störungszone von überregionaler Bedeutung.
Etwa 75 % der bauwürdigen Uranerze befinden sich in Tonschiefern, Kalken und Lagergängen von Diabasen im hangenden Ordovizium (Lederschiefer) bis zum Unterdevon (Tentakulitenschiefer).
Im Rotliegenden (Perm) unterlagen diese Gesteine einem intensiven Verwitterungsprozess (Supergenese), mit dem das synsedimentär in den schwarzen Schiefern vorhandene Uran umgelagert wurde und dadurch Lagerstättenkonzentration erlangte.
Die Uranmineralisation tritt in zwei Assoziationen als (untergeordnet) Pechblende mit Karbonaten und Pechblende mit Sulfiten auf. Sie ist ausgebildet als Kluft- und Trümervererzung und als brekzienartige und disperse Vererzung.
Die Untergrenze der Urangehalte für „Bilanzerz“ ( d.h. abbauwürdige Vorkommen) lag in den Anfangsjahren bei 200 ppm, ab 1968 bei 300 ppm. Der Durchschnittsgehalt im Erz lag bei 1.000 ppm. (ppm = part pro mille)
Fotos charakteristischer Uranerzvorkommen
Pechblendentrümmer
Pechblendetrümer mit charakteristischer Nebengesteinsveränderung
Bergbaubetrieb Schmirchau, 240m-Sohle
Lederschiefer-Pechblende-Sulfit-Brekzie
Großanschliff einer Lederschiefer-Pechblende-Sulfit-Brekzie
Bergbaubetrieb Schmirchau, 240m-Sohle
feindisperse Verzerrung
feindisperse Vererzung im Lederschiefer (hell)
das 5-Pfennigstück zum Vergleich der Größe
Bergbaubetrieb Schmirchau, 240m-Sohle
Mit insgesamt 113.605,8 t Uran gehörte Ronneburg zu den größten Uranproduzenten. Etwa 7 % dieses zwischen 1945 und 1990 weltweit geförderten Rohstoffs kamen aus dieser thüringischen Lagerstätte.
Das dafür erschlossene untertägige Grubengebäude umfasste eine Fläche von 73,4 ha.
Der erzielte Gesamtvortrieb vom 8.618,5 km entspricht etwa der Entfernung von Frankfurt am Main – Johannesburg.
Das Produkt „Yellow Cake“
Die Aufbereitung der Erze aus der Ronneburger Lagerstätte erfolgte vor 1960 im rund 50 km entfernten Crossen bei Zwickau und danach im nahegelegenen Aufbereitungsbetrieb in Seelingstädt bei Ronneburg. Endprodukt war hier das auch als „Yellow Cake“ bezeichnete Urankonzentrat Ammonium-Diuranat.
In Plastesäcke und Fässer abgefüllt abgefüllt verließ das „Yellow Cake“ die DDR in die Sowjetunion. Die Anreicherung des spaltbaren Materials blieb ausschließlich der UdSSR vorbehalten.
Abbildung rechts: Betriebsansicht des Aufbereitungsbetriebes 102 Seelingstädt
Übersicht der Bergbaubetriebe (BB)
In der folgenden Tabelle stellen wir Ihnen die Bergbaubetriebe (BB) der Ronneburger Erzlagerstätten (auch Schächte genannt) vor:
| Bergbaubetrieb | Betriebsdauer | Hauptschächte |
|---|---|---|
| BB Schmirchau | 1951 – 1990 | ![]() |
| BB Reust/Lichtenberg | 1951 – 1988 | ![]() |
| BB Paitzdorf | 1961 – 1990 | ![]() |
| BB Beerwalde | 1974 – 1990 | ![]() |
| BB Drosen | 1980 – 1990 | ![]() |
Übersichtskarten der Schächte der Wismut in Ronneburg
Überblick
An der folgenden Karte wird besonders deutlich, dass der Uranerzbergbau im Unterschied zu anderen ausländischen Abbauländern inmitten einer dicht besiedelten Kulturlandschaft erfolgte.

Tagesschächte der Bergbaubetriebe Beerwalde und Drosen mit dem Feldesteil Korbußen

Tagesschächte im Bereich des Bergbaubetriebes Schmirchau

Tagesschächte im Bereich des Bergbaubetriebes Lichtenberg/Reust

Tagesschächte im Bereich des Bergbaubetriebes Paitzdorf

Herkunft der Karten: ©Wismut GmbH




